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Nachhaltige Rohstoffketten von der Extraktion bis zur Verwertung: Prof. Komal Habib zu Gast an der Universität Bayreuth
12. Mai 2026
Wie lassen sich Lieferketten für kritische Mineralien so gestalten, dass sie über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der ersten Gewinnung bis zur finalen Rückgewinnung – ökologisch und ökonomisch tragfähig sind? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt eines Forschungsbesuchs von Professorin Komal Habib (University of Waterloo, Kanada), die kürzlich am Lehrstuhl für Ökologische Ressourcentechnologie (ÖRT) in Bayreuth zu Gast war.
Gefördert wurde der Aufenthalt durch einen Short Term Grant des Bayreuth Humboldt Centre, das den internationalen wissenschaftlichen Austausch an der Universität gezielt unterstützt.
Zwei Perspektiven, ein Ziel: Die Schließung von Materialkreisläufen
Prof. Habib und das Team des Lehrstuhls ÖRT ergänzen sich in ihrer Arbeit als Industrieökologen ideal:
- Kanadische Perspektive: Prof. Habib bringt tiefgreifende Expertise zur Versorgungsseite und den Primärressourcen ein.
- Globale Perspektive: Der Bayreuther Lehrstuhl betrachtet das Thema aus der Sicht globaler Materialzyklen und deren technologischer Steuerung.
Während des Aufenthalts wurden Wertschöpfungsketten für strategisch wichtige Materialien wie Lithium, Kobalt, Nickel und Seltene Erden kartiert. Dabei identifizierten die Forschenden Synergien zwischen ihren methodischen Ansätzen und verglichen internationale politische Rahmenbedingungen, um Strategien für eine resilientere Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.
Wissenstransfer in die Lehre: „From Extraction to Recovery“
Ein Highlight des Besuchs war die Gastvorlesung im Rahmen der Vorlesung „Critical Raw Materials“. Prof. Habib bot den Studierenden und Wissenschaftler*innen detaillierte Einblicke in die kanadische Rohstoffstrategie sowie aktuelle Forschungsergebnisse:
- Recycling-Herausforderungen: Am Beispiel von Seltene-Erden-Magneten wurde verdeutlicht, warum insbesondere die Rückgewinnung aus Kleinstgeräten derzeit noch an wirtschaftliche Grenzen stößt.
- Ungenutzte Potenziale: Materialflussanalysen von Elektroaltgeräten zeigen, dass erhebliche Mengen wertvoller Ressourcen bisher nicht im Kreislauf gehalten werden.
- Die Rolle der Gesellschaft: Prof. Habib präsentierte Studien zum Entsorgungsverhalten kanadischer Haushalte. Das Fazit: Technologische Innovationen allein reichen nicht aus; für eine echte Kreislaufwirtschaft muss auch das Konsum- und Entsorgungsverhalten der Gesellschaft adressiert werden.
Eine Partnerschaft mit Zukunft
Der Besuch ist Teil einer langfristigen Kooperation, die unter anderem durch den Natural Sciences and Engineering Research Council of Canada (NSERC) unterstützt wird. Die intensive Woche in Bayreuth hat nicht nur bestehende Forschungsprojekte vorangebracht, sondern auch den Grundstein für kommende gemeinsame Publikationen und Projekte gelegt.
„Komal, wir danken dir herzlich für die stimulierenden Diskussionen und die fachliche Bereicherung. Es war ein echtes Vergnügen, dich in Bayreuth zu haben. Ein besonderer Dank gilt dem Bayreuth Humboldt Centre für die Ermöglichung dieser wertvollen Zusammenarbeit.“ – Prof. Dr.-Ing. Christoph Helbig